The Dame Was Loaded

 

Fast ein halbes Jahr nach der englischen Version von "The Dame Was Loaded" folgte die Eindeutschung mit dem putzig übersetzten Titel "Puppen, Perlen und Pistolen". Der Thriller spielt in den Vierziger Jahren und ist als Hymne an diese Zeit zu verstehen. Der Held, Privatdetektiv Scott Anger, soll für seine leicht verzweifelte Klientin Carol Klein deren verschwundenen Bruder Dan suchen. Zunächst gilt es, bei Officer Denton sowie Ex-Freundin Francine zu ermitteln - er hat ein Magengeschwür, das ihn reizbar macht, sie ist Reporterin und launisch.

Auch für gewisse menschliche Bedürfnisse will bei der mürrischen Wirtin Meg und bei dem einäugigen Friseur Mac gesorgt sein. Es stellt sich heraus, dass Dan einen falschen Namen (Small statt Klein) angenommen hat und ein Komplize von Bankräuber Freddy Creel war, dessen Witwe Louise Creel sich ziemlich unverblümt an unseren Scott, dessen Gesicht im Spiel nie zu sehen ist, heranmacht. Die Ereignisse überstürzen sich: Francine wird erführt, Scotts Partner erschossen, und dann stellt sich heraus, dass Dan tot ist.

Die Story ist etwas uninteressant, dient aber ohnehin nur als Aufhänger für das gut getroffene Casablanca-Feeling. Bildschirmfüllende Videos von interessanten Schauspielern in ausgefallenem Outfit übertünchen die etwas fragwürdige Interaktion. Die Rätsel sind hart – und die Leute andauernd beleidigt, wie kleine Kinder. Die Steuerung erfordert akrobatische Genauigkeit. Scotts Inventar zeigt sich nur auf unbedingt gleichzeitigem Druck der linken wie der rechten Maustaste. Manche Gegenstände sind völlig unwichtig. So kann man im Restaurant Messer, Gabel und Teller klauen, was einen zynischen Kommentar Megs, aber sonst nichts weiter zur Folge hat.

Dazu wissen ein sehr strenges Zeitlimit und eben das schnelle Einschnappen der Beteiligten den Spaß zum Teil zu verderben. Als Ausgleich sind Präsentation und Eindeutschung witzig gemacht, und es gibt sogar eine Karte. Auch das überraschungsreiche, bei Bedarf romantische Finale kann begeistern, zumal mehrere Endungen möglich sind. Denkbar ist auch, dass Scott einfach seine Francine aus gekränkter Eitelkeit erschießt.

Die Kritiken sind unterschiedlich. Immerhin für Genre-Fans recht interessant, so verhieß die Kernaussage. Einigen Testern stießen Zeitlimit und nicht übersetzte Zeitungsartikel sauer auf, gelobt wurden dagegen Schauspielerleistungen und Atmosphäre. Es kam auch gut an, dass ein Spiel im Spiel versteckt ist: Um an Informationen zu kommen, muss Scott mit seinen Gangsterfreunden um Geld pokern. Zu hohe Verluste können Probleme schaffen. Richtig begeistert zeigten sich auch die Käufer nicht.

Das australische Detektiv-Abenteuer (nicht die Handlung, sondern der Held steht im Mittelpunkt) hielt sich nicht lange in den Regalen. Nett gemacht war die Werbung in den Zeitschriften, die eine geheimnisvolle Schöne beim Rauchen zeigt. Auch das Titelbild der Verpackung wirkt amüsant. Eine dunkelhaarige Lady mit rauchender Schusswaffe in der einen – und Diamanten in der anderen Hand – gezeichnet zwar, aber unzweifelhaft Louise Creel nachempfunden. Eine Anspielung auf einen der Schlüsse, bei dem sich Mrs Creel als linkes Luder erweist?

Insgesamt handelt es sich hierbei um einen ganz gelungenen, aber frustrierend schwierig geratenen „Film noir“ mit etwas zu vielen Standbildern und zu wenig Videos. 2 CDs mit schöner Jazz-Musik, hübschen Schauspielern – und einer etwas lahmen Story.

Wertung: 75%

 

Presse:

"Spannend. Der Jazz-Sound weiß zu begeistern wie die Benutzerführung. Wer zu hastig vorgeht, wird am Hering lutschen." (PC Spiel)

"Liebevolle Aufmachung, eine lohnende Aktion! Wow, was für ein Spiel!" (PC Games)

"Kann die meisten Pluspunkte in der Rubrik Präsentation verbuchen. Alle denkbaren Charakterklischees, Begegnungen der völlig überzogenen Art!" (PC Action)

"Schauerlich eingedeutschter Titel! Ganz so mies wurde die Geschichte nicht umgesetzt!" (PC Player)

 

 

77% (PC Games)

4 von 5 (PC Spiel)

69% (Power Play)

55% (PC Action)

3 von 5 (PC Player)

47% (PC Joker)

 

 

 

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