Bad Mojo

 

Ausnahmslos gute Kritiken, wenn auch nicht berauschende Verkaufszahlen erntete Acclaims böses Schicksal anno 1996, das allen Erstes mit Kafka verglichen wurde, da es Erinnerungen an dessen Erzählung "Die Verwandlung" weckt. Dort sieht sich gleich im ersten Satz der Held der Geschichte in ein Insekt verwandelt, und zumindest das geschieht auch hier im Vorspann. Der Held ist ein geldgieriger Gauner, der in Ich-Form von seinen Erlebnissen erzählt. Kurz vor seiner Verwandlung darf man noch einen kleinen Streit zwischen ihm und seinem Vermieter beobachten, der beide hysterisch lachend zurück lässt.

Die Kakerlake, unsere Heldin, ist ansprechend gefilmt worden, bei langsameren Computern lassen sich die Fühler wegschalten und sorgen somit für einen Geschwindigkeitsschub. Der Hintergrund ist fotorealistisch, und ab und zu erhält das Insekt Visionen aus seiner menschlichen Vergangenheit. Das Pikante daran ist, dass das Krabbeltier zu seiner Zeit als Mensch Kakerlaken und anderes Ungeziefer regelrecht verabscheut hatte und mancherlei Insektenfallen aufgestellt hat, denen es sich jetzt aus der Froschperspektive ausgesetzt sieht. Das Spiel demonstriert mit cleveren Rätseln, wie selbst strengste Kritiker feststellten, dass die Spielintelligenz eines Adventures auch ohne Inventar mit Gegenständen vorbildlich sein kann.

Auf ihrer seltsamen Wanderung quer durch das hoffnungslos zugemüllte Haus begegnet unsere Heldin einer halbtoten Ratte, deren blutverschmiertes Maul aber noch gut in Form ist, sowie einer gefräßigen Spinne, der unser Krabbler im richtigen Moment einen noch glühenden, zufällig in der Nähe herumliegenden Zigarrettenstengel entgegen halten muss. Auch ein Schmetterling und andere Kakerlaken, ja sogar eine Art Baby-Kakerlake, bieten wertvolle Begegnungen. Im Laufe des Spiels kann unsere kleine Freundin sogar über das Auge des schlafenden Vermieters krabbeln, den sie am Ende vor einer Feuersbrunst retten muss, um ihre menschliche Gestalt zurückzuerhalten - quasi als Lohn. Der Vermieter spielt dabei eine Schlüsselrolle, was auch die zahlreichen Visionen vom Singsang seiner im Brautkostüm auftretenden Mutter erklärt.

Mehrere verschiedene Endungen sind möglich. Denkbar ist auch, dass der Krabbler sich selbst, aber nicht seinen Vermieter retten kann, woraufhin er wegen Mordes eingeknastet wird. Die Sprachausgabe ist deutsch, die Videos sind klein, aber fein. Allerdings kann die hiesige Quicktime-Version für böse Überraschungen sorgen, die bei gewissen Inkompatibilitäten gar das ganze System nicht ungefährdet lassen können. Von dieser eigentlich unverzeihlichen Macke abgesehen kann das ungewöhnliche Spiel faszinieren. Die Handlung ist packend, die Rätsel sind originell, die Atmosphäre reizvoll, nur die Musik wirkt etwas übertrieben knarrend. 800 Bilder sind zu durchkrabbeln! Ein Schocker der besseren Sorte.

2005 gab es mal eine Art Wiederauflage, allerdings ohne nennenswerte Neuerungen. Für ein betagtes Spiel war der Preis erstaunlich hoch, so dass sich das Ganze wieder nur kurz in den Läden hielt.

Wertung: 80%

 

Presse:

"Viel Liebe zum Detail, stimmungsvolle Musik, bleibende Eindrücke, viel Atmosphäre!" (PC Power)

"Alle Königssöhne treten ehrfurchtsvoll beiseite!" (PC Player)

 

84% (PC Power)

4 von 5 (PC Player)

 

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