Phantasmagoria 2 - The Puzzle Of Flesh

 

 Eine Perle der Software-Industrie: Nichts mit der Geschichte des Vorgängers hat Teil 2 zu tun, wohl aber mit dessen Atmosphäre, der im - Ende 1996 erschienenen - Nachfolger beinahe die Steigerung gelingt. Auch hier ist die Musik hörenswert.

Curtis Craig arbeitet als technischer Redakteur bei einer Firma namens Wyntech. Sein bester Freund Trevor, ein Schwuler, und seine Geliebte Jocilyn gehören zu seinen Kollegen, aber auch die laszive Therese und der mürrische Bob, der reichlich Intrigen stiftet, weil er auf die Beförderung spekuliert, die Curtis für sich vorgesehen sieht. Craigs direkter Vorgesetzter, Tom, ist ein netter Kerl, der Leistung anerkennt. Der Chef im Hintergrund, Paul Warner, hegt dagegen ein finsteres Geheim­nis, das mit Craigs merkwürdigen Visionen zu tun hat. Craigs Ratte heißt Blob („Du kannst nicht mit, Bob ist die einzige Ratte, die sie da rein lassen!“ bedauert Curtis, als er ins Büro aufbricht – ein netter Kalauer...

Die Videos sind vom Feinsten (unter DOS allerdings etwas krümeliger als unter Windows), die Atmosphäre ist realistisch und das Finale grandios. Vor allem die Geschichte ist viel­seitiger als die des Vorgängers. Ein hübscher Gag am Rande: In der Post findet Curtis die Einladung zu einer Lesung der Autorin Adrienne Delaney, der Heldin des ersten Teils. Witzig auch, dass der Wachmann der netten Psychologin, die be­sonders grauenvoll ermordet wird, ein uralter Kerl ist. Die gehässige Detektivin hat im Deutschen eine sehr spannende Stimme.

Einige Rätsel sind mal wieder etwas gemein. In mehreren Kapiteln gilt es, Passwörter zu knacken, um Zugang zu wich­tigen Dokumenten zu bekommen. Nett geraten ist die Mög­lich­keit, auf eingegangene Mails zu antworten, wobei man zwischen einer witzigen, einer ernsthaften oder einer sar­kastischen Antwort wählen kann, allerdings ohne dass dies Einfluss auf den Gang der Handlung hat – höchstens insofern, dass man ähnlich gestimmte Antworten erhält. Außerdem kann der Spieler wie in Teil 1 zwischen einer blutigen und einer gekürzten Version wählen.

Fast keiner überlebt die grausame Geschichte. Trevor darf zu Beginn des letzten Kapitels (von fünf, ein Kapitel pro CD) seinem Curtis noch eine Liebeserklärung machen, dann wird auch er dahingemeuchelt. Einige Visionen oder besser gesagt Phantasmagorien des Helden sind etwas albern, seine Ratte muss nicht unbedingt zynische Sprüche reißen. Bedrückend und gut gelungen sind dagegen die unglücklichen Kindheits­erinnerungen des gepeinigten Helden. Seiner Psychiaterin gesteht er auch schon mal, sowohl für seine Freundin Jocilyn als auch für die dominante Therese sexuelles Interesse zu finden – und eigentlich sogar für Trevor...

Das Blut spritzt literweise durch das CD-Laufwerk, aber ein hirnloser Schlitzer-Streifen ist das Ganze dennoch nicht. Im Finale wird deutlich, dass kein Bestandteil der Story überflüssig ist, selbst wenn nicht immer alles in die Handlung zu passen scheint. Der Held muss sich im wahrsten Sinne des Wortes mit seinem anderen, seinem wirklichen Ich auseinandersetzen und schließlich sogar auf einem fremden Planeten ein paar Aliens fangen und miteinander kombinieren. Ganz am Ende muss er eine Entscheidung treffen, aber keine von beiden lässt den Spieler allzu optimistisch zurück. Zur Steuerung: Mit einem Symbol, das gleichzeitig das Symbol der Firma Wyntech repräsentiert, für die Curtis arbeitet, kann sich der Spieler durch die Orte klicken. Alles was weiß aufblitzt, lässt sich angrabbeln. Da es ein recht betagtes Spiel ist, läuft es teilweise auch auf 486ern. Der rein vom Filmischen her mit Sicherheit stärkste aller Interaktiven Filme.

Wertung: 90%

 

Presse:

"Ein angemessenes und gelungenes Verhältnis von Spiel und Film! Später zu konfus. Unterm Strich ein wirklich gutes Spiel!“ (PC Power)   

"Ordentliche Story, fähige Darsteller, im Durchschnitt logische Puzzles, stark verbesserte Grafik!“ (PC Games)  

"Weniger spektakulär als der Vorgänger, auch wenn Sierra wieder neue Wege beschreitet!" (PC Action)

"Eine komplexe und packende Geschichte!" (Softgold)

"Ekelszenen machen noch kein erstklassiges Adventure! So lobenswert Videoqualität und Steuerung sind – irgendwann ist alles abgeklickt!“ (PC Player)

"Höherer Schwachsinn! Klimpermusik, Nervmomente, eingeschränkte Interaktion, dämonisch schlechte Puzzles, platt, peinlich!" (PC Xtreme) 

"Wirrer Aufguss, technisch ausgereift! Der Handlungsrahmen zerfällt in ein Aneinanderreihen abgenutzter Klischees!" (Power Play)

 

86% (PC Joker)

85% / 82% (PC Power)

71% (PC Games)

70% (PC Action)

55% (Power Play)

3 von 5 (PC Player)

37% (PC Xtreme)

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