Phantasmagoria

 

 

Der Interaktive Film mit der gruseligsten Atmosphäre und der vielleicht schönsten Musik bietet zunächst etwas Beschaulichkeit. In den Fachzeitschriften gingen die Meinungen wie selten zuvor auseinander, aber die meisten Kritiker gaben sich recht angetan. Schlecht gelaunte Tester warfen dem Drehbuch seine dünne Handlung und dem Film seine jahrelange Entwicklungszeit vor. Letzteres hatte damit zu tun, dass die Hauptdarstellerin noch bei anderen Filmen unter Vertrag stand. Auch dass die Personen die ganze Zeit (das Spiel enthält den Zeitraum von sieben Tagen) in den gleichen Klamotten rumlaufen, wurde angeprangert. Auf diesen Vorwurf ging Designerin Roberta Williams in einem Interview im gleichnamigen Roman ein: Es wäre schließlich eine Tortur gewesen, die Schauspieler immer wieder die gleichen Bewegungen machen zu lassen, nur um sie in einem anderen Outfit zu zeigen.

Übrigens ist der Roman lesbar, aber doch weniger fesselnd, zumal er einige Handlungen in der Reihenfolge verwechselt. Wesentliche Mängel liegen der knappen Schauspieler-Schar zugrunde und den ewigen Abstürzen. Auch kommen nur sehr wenig neue Räumlichkeiten hinzu, was bei der Vielzahl der Geheimgänge im Haus verwundert. Vergisst man diese Mängel, hat man jedoch ein sehr gelungenes und auch wirklich gruseliges Meisterstück seiner Art vor sich, bei dem sich auch die Interaktion und nicht zuletzt die Effekte sehen lassen können. Es verkaufte sich auch ganz ordentlich.

Schriftstellerin Adrienne Delaney bezieht mit ihrem Gatten Donald Gordon, den sie Don nennt, ein schönes Schloss, das sie im ersten Kapitel zu erforschen hat (jedes der sieben Kapitel umfasst einen Tag und eine CD). Sie kann sich den Garten anschauen, dem Tippgeber lauschen, Don beim Aufbau seiner Dunkelkammer zusehen oder ins Dorf fahren. Zwei Türen in der Eingangshalle sind verschlossen, eine im oberen Stockwerk, und in der Küche gibt es eine Falltür. Aus Versehen lässt Adrienne in einer düsteren Kapelle einen furchtbar bösen Dämon frei, der von Don Besitz ergreift. Die Vergewaltigungsszene im vierten Teil war ein kleiner Skandal. Richtig unheimlich geht es erst im fünften Kapitel zu, als Adrienne Visionen (Phantasmagorien) von den Morden des Zauberers Zoltan Carnovash vor rund hundert Jahren an seinen verschiedenen Gattinnen erhält, sobald sie an einem Spiegel vorüber kommt.

Erst im sechsten Kapitel erfährt Adrienne, was sich seinerzeit zutrug. Don läuft im siebten Kapitel völlig Amok, und selbst wenn Adrienne ihn schweren Herzens besiegen kann, muss sie sich danach mit dem fleischgewordenen Dämon auseinandersetzen. Natürlich ist das keine bemerkenswert ausgefeilte Handlung, aber Spannung und Atmosphäre sind da, und die blutigen Effekte sind, obschon fragwürdig, beachtlich. So ist das Spiel auch ausdrücklich nur für Volljährige ausgegeben, und man kann mittels Code-Eingabe blutige Szenen sperren lassen. Übrigens ist die englische Version von der Sprachausgabe spannender betont als die deutsche, vor allem in bezug auf Adrienne. Als das Spiel erschien, sollte man allen Ernstes rund 150 Mark auf den Tisch legen. Es gibt sogar völlig unterschiedliche Sounds zu hören, je nachdem, was man im Sound-Menü als Soundkarte einstellt. Fast alle sind hörenswert und erwecken die Illusion, ein ganz neues Spiel zu spielen.

Die Kritiker bescheinigten der Hauptdarstellerin eine Leistung von sehr gut bis Magerquark. Das ist schon starker Tobak. Für jeden Horror-Fan ist „Phantasmagoria“ ein absolutes Muss, an dem kein Weg vorbei führt.

Wertung: 90%

 

Presse:

"Perfekte Dramaturgie, packende Story, hervorragende Leistungen der Schauspieler - aufwändig und perfekt gestaltet! Hit!" (PC Joker)

"Gehört zu Sierras faszinierendsten Produktionen! Exzellenzte Story, gute schauspielerische Leistungen, gute Ansätze!" (PC Games)

"Ich erinnere mich gern an Phantasmagoria!" (PC Power)

"Wenig zimperlich. Auch technisch sorgten die digitalisierten Charaktere und die Spielfilm-Einlagen für Aufsehen!" (PC Action)

"Wir haben schon anspruchslosere Interactive Movies gesehen. Immerhin eine gewisse Faszinations-Aura, eleganter Nervenkitzel!" (PC Player)

"Durchsichtiger Plot, die Story würder selbst Roger Corman zum Weinen bringen, das Blue-Screen-Verfahren sollte Sierra üben!" (Power Play)

 

 

95% (PC Power)

88% (PC Joker)

79% (PC Games)

68% (PC Player)

3 von 5 (Spiele-Illu)

46% (Power Play)

 

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!