11th Hour

 

 

Hinreißend schöne, wenn auch redundante Musik hat diese elfte Stunde zu bieten. Nachdem man das Ganze durchgespielt hat, kann man sich ähnlich wie in "Die Versuchung", von einigen Kritikern fälschlicherweise als Nachfolger gesehen, seinen Film komplett ansehen. Drei verschiedene Finals sind in Erfahrung zu bringen, darunter verbirgt sich ein Happy End. Ganz nebenbei wartet auch eine Video-Doku über die Geburt des Gruselspiels darauf, vom geneigten Spieler betrachtet zu werden.

Die Videos laufen wahlweise in Farbe oder in Schwarzweiß - oder eben nur in Schwarzweiß, denn in nicht wenigen Fällen wird die Zusammenarbeit mit manch bekannter Grafikkarte verweigert, wie selbst grundsätzlich freundlich gestimmte Kritiker vorwurfsvoll feststellten. Die Sprachausgabe glänzt in einem etwas holprigen, aber passablen Deutsch, und die Handlung ist spannend, wenn auch weit hergeholt. In einer Sonder-Rubrik für skurrile Preise eines Magazins allerdings gewann der Streifen einen Sonderpreis für das schlechteste Drehbuch des Jahres 1996.

In einem schauerlichen Schloss muss der Held versuchen, seine verschollene Freundin zu retten. Der Tippgeber mit einer angenehmen weiblichen Stimme outet sich später als im Film mitwirkende Akteurin im Rollstuhl. Am Ende muss sich der Held zwischen drei Frauen entscheiden, während unheimliche Glocken läuten - vielleicht der stärkste Moment des Games. Der böse Stauff, dem das verfallene Gemäuer gehört, spielt sein letztes Spiel - als Gameshow-Moderator... Das Spiel hat durchaus schwarzen Humor und schöne Darsteller. Da gibt es Chuck und Mary, ein Killer-Pärchen, eine geheimnisvolle Barkeeperin, die zusammen mit der Tippgeberin in ihrer Jugend das Schloss besucht hat und bleibende Verletzungen davon getragen hat, und eben die neugierige Journalistin, die es zu retten gilt. Kurz vor Schluss gelingt den Machern des Spiels tatsächlich noch eine Art Überraschung, als aus den durch gelöste Rätsel zusammenzusuchen­den Videofetzen der – falsche – Eindruck entsteht, der irre Chuck habe die arme Journalistin in Stücke zerhackt. So kommt am Ende die zweite Überraschung umso besser rüber, die nämlich besagt, dass es wirklich keine Rettung für die vermeintliche Heldin gibt, weil sie Stauffs materiellen Verlockungen erliegt.

Leider sind die Rätsel zum Teil noch gemeiner als im Vorgänger „Seventh Guest“. Schachrätsel, bei denen selbst Profis verzweifeln, verlangen beispielsweise 40 Züge, was auch manchen Kritiker ernstlich verstimmte. Immerhin bleibt noch die Alternative durch das Angebot der Tippgeberin: „Willst du, dass ich es für dich löse?“

Die Kritiken waren fast ausnahmslos vernichtend. Man kann über die Qualität der Rätsel diskutieren, aber es gibt ja noch andere Maßstäbe. Die darstellerische Leistung des bösen Stauff ist beachtlich und schafft es, die Vorgeschichte der Handlung zu erklären, was Seventh Guest einst nicht so recht gelang. Spielte man dort einen Geist, der durch Leitungen schlüpfen kann, so ist es jetzt ein schlecht gelaunter Bürohengst, der dem Verschwinden seiner einstigen Freundin nachgehen will, vielleicht hat er Skrupel, da er sie schlecht behandelt hatte. Das Haus dagegen, wo die gute Frau verschwand, gibt und nimmt: Es will füttern, aber auch gefüttert werden...

Das Zusammenspiel aus Atmosphäre in Verbindung mit einer reizvollen Steuerung und der gelungenen Musik sichert eine überdurchschnittliche Wertung. Ein besonderer Reiz bildet sich für den Kenner des Vorgängers "7th Guest" darin herauszufinden, was sich in den einzelnen Räumlichkeiten des düsteren Gemäuers verändert hat.

Wertung: 80%

 

Presse:

"Durchweg spannende Rätsel! Dank der tollen Grafik und den wirklich gelungenen Filmszenen wird fürs Auge reichlich was geboten!" (PC Spiel)

"Technisch eindrucksvoll!" (Playtime)

"Bedingt gruselig, kommt über Mittelmaß nicht hinaus, peinliche Übersetzung, technisch dürftig, fantasielos!" (PC Games)

"Versager des Jahres 1996 unter den Denk- und Puzzlespielen, müder Puzzle-Mix in trister Villa, spielwitz-frei!" (PC Xtreme)

"Gruselig, aber spielerisch öde. Langweilige Denkspielchen! Jämmerlich! Frustration pur! Schlechtestes Drehbuch 1996!" (PC Player)

  

 

3 von 5 (PC Spiel)

55% (PC Joker)

48% (PC Games)

39% (PC Player)

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